Nur so ein Gedanke zum Büchermarkt der Zukunft

Ich versuch mich jetzt mal als Prophet. Wer wirklich wissen will, wohin sich der Büchermarkt und Verlage entwickeln werden, sollte (natur-)wissenschaftliche Fachverlage im Auge behalten.

Warum?

Die sind schon seit Jahren enorm starken Konkurrenzdruck seitens Internetpublishing Angeboten ausgesetzt. Wissenschaftler umgehen die zum Teil horrend Teuren Abo Gebühren für Fachzeitschriften, indem sie eigene, kostenlose eZines veröffentlichen. Viele Wissenschaftler machen zudem auch alle Forschungsergebnisse öffentlich im Netz zugänglich. Fachverlage sind nicht mehr automatisch Gatekeeper für das Wissen einer Disziplin.

Auf der anderen Seite, haben die Fachverlage ein Pfund, mit dem sie wuchern können. Ihre Zielgruppen sind klar definiert. Das Publikum ist engagiert und bestens vernetzt – oder anders gesagt: eine aktive, lebendige Community.

Wer die Bedürfnisse, Wünsche oder einfach nur Erwartungen seiner Community erfüllen kann, hat beste Vorraussetzungen, diese als loyale Kunden zu gewinnen und zu halten. Erfolgreiche Strategien in diesem Markt werden sich auch auf den allgemeinen Markt für Bücher übertragen lassen, wenn man zum Beispiel Teilchenphysiker durch Harry-Potter-, Thomas-Pynchon oder Dietmar-Dath-Leser ersetzt. Gemeinsames Interesse, sich auszutauschen und über den Austausch einen persönlichen Mehrwert über das Gelesene heraus zu erzielen ist in allen Fällen da.

Wer wie die literarischen Verlage es jetzt tun, vor allem nach Schutz für das Copyright ruft, sich um Buchpreisbindung und sorgt und seinen eigenen walled-garden nicht öffnet, wird bald das erleben, was die Musikindustrie immer noch nicht hinter sich hat. Die Verlage verpassen grade, dass Amazon mit dem Kindle und der dahintersteckenden, iPod & iTunes-artigen Vertriebsstruktur sich als Meta-Verlag positioniert. Statt zu versuchen eigene, proprietäre Vertriebswege – möglichst noch verlagsspezifisch – zu etablieren, sollten die literarischen Verlage ihre Kunden ernst nehmen, die einfachen Zugang zu eBooks ohne DRM wünschen und zurecht einen realistischen Preisnachlass für die elektronische Distribution erwarten.

Erfolgreich, sowohl von der Reichweite/Auflage und auch wirtschaftlich kann es nur dann werden, wenn dazu neue Features und Angebote für die Leser-Communities werden.

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